3. Tag – Kursk und seine Geschichte (2)

…Nachdem wir von den Hüterinnen des Museums aus diesem rauskomplimentiert worden waren, machten wir uns weiter auf die Suche nach einem ruhigen Ort, an dem wir das für den Nachmittag anberaumte Gespräch mit dem Historiker Sergej Nikiforow aufnehmen können.

Wir durchstreiften Parks, durchquerten Bezirke und Märkte – und entdeckten irgendwann eine Siedlung mit farbenfroh angestrichenen Holzhäusern, die uns an ein Kursk erinnerten, wie es vielleicht einmal vor dem Krieg großteils ausgesehen haben könnte.

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Wir befanden uns noch immer im Zentrum der Stadt, doch die Siedlung macht den Eindruck, als wäre sie aus der Welt gefallen – so friedlich, wie sie mit ihren hinter Zäunen verborgenen Gärten dalag.

Etwas unschlüssig begannen wir, die Siedlung mit unseren Kameras von der Straße aus zu „vermessen“ – womit wir die neugierigen, aber schüchternen Blicke ansässiger Kinder auf uns zogen.

Wenn wir mehr über diesen Ort erfahren wollen, müssen wir die Bewohner ansprechen…

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Als recht zugänglich erwies sich ein netter Herr in Wochenendkluft, der sich gerade an seinem Lada zu schaffen machte…

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Natürlich können wir sein Haus und Garten einmal anschauen, lud er uns ein.

Er stellte uns sogleich seine Mutter vor, die im Vorderhaus wohnt, in dem auch er aufgewachsen war. Dieses sei aber erst nach dem Krieg gebaut worden.

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Das hintere Haus habe er dann später selbst für seine Familie dazu gebaut.

Aber auch vor dem Krieg hätten hier ganz ähnliche Häuser gestanden. Damals sei dies das Rotlichtviertel des Stadt gewesen. Zur Untermauerung seine zeitgeschichtlichen These kramte er für uns eine schaurige Geschichte heraus:

Das Grundstück hätte vor dem Krieg einem Arzt gehört. Als er und seine Familie viel später für den Bau des zweiten Hauses im Garten zu graben begannen, stießen sie auf ein Massengrab voller ungeborener Babys!

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Die Dienstleistung des Arztes, so seine Vermutung, habe wohl darin bestanden, den ungewünschten Nachwuchs der professionellen Damen abzutreiben – inklusive „Entsorgung“.

Ob sie gerne hier wohnen? Sie könnten sich eine moderne Wohnung schlicht nicht leisten. Die Häuser hätten schon seit Jahrzehnten Neubauten weichen sollen, aber es kam bis heute nicht dazu.

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Sie wohnen also auf unsicherem Grund, dafür aber billig – und mit viel Platz: Hinter den beiden Häusern erstreckt sich ein weitläufiger Garten, in dem die Familie Gemüse und Obst anbaut…

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Da das Wetter  an diesem Samstag Mitte Mai frühlingshaft warm war – und es ohnehin aussichtslos war, noch nach weiteren Drohorten zu suchen – fragten wir ihn, ob wir das geplane Interview nicht in seinem Garten durchführen dürften…?

Er habe nichts dagegen, antwortete er auf unsere etwas unverschämte Selbsteinladung – unter einer Bedingung: Wir trinken mit ihm einen Wodka, und zwar einen selbstgebrauten!

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Während sich meine beiden Begleiter diesem einheimischen Ritual höflich entzogen, war es meine Aufgabe, diese Einladung am frühen Nachmittag anzunehmen – und das direkt vor einem recht komplizierten Interview mit einem mir bis dahin unbekannten Historiker!

Schnell waren die Gläser randvoll angefüllt, und flugs stand eine ganze Palette an wie von Zauberhand hergerichteter Speisen da, die typischerweise zum Nationalgetränk serviert werden. Dank an die Dame des Hauses, denn in meinem Magen herrschte gähnende Leere.

Zum Glück wird Swetlana als unsere Übersetzerin den Großteil des Gesprächs führen…

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Das Interview sollte dann auch noch recht lang werden. Wir sprachen – wie schon gesagt – mit Sergej Nikiforow vor allem über die Verhältnisse in Kursk während der Besetzungszeit.

Hat jemand Lust, ins Material reinzuhören und einen Blick drauf zu werfen? Dann könnten wir gerne Teile des Gesprächs auch als Video online stellen…

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Mehr zum Interview beim nächsten mal…



…ein einfacher Soldat berichtet seiner Familie tagesaktuell von seiner Reise durch Russland – hinein in den Kessel von Stalingrad.

Starless in Stalingrad

– 200 Tage –
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