43. Brief – 6. September 1942

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– 43. Brief –

Rußland, den 6.9.42

Liebes Frauchen!

Heute morgen bin ich um 4 Uhr aufgestanden, um Dir, Dr. Schmidt und Herrn Kamenk einen Brief zu schreiben. An dem Tage, an dem ich Dir den Brief Nr. 1 schrieb, habe ich außerdem noch an die ganze Elberfelder Verwandtschaft (Tante Emmi, Onkel Albert und Onkel Oskar) geschrieben. Frau Goers will ich vorerst mal nicht schreiben.

Beim Lesen der Zeitung entdeckte ich außerdem noch 1 Lineal und 1 Kamm. Du bist doch ein helles Frauchen, alles so geschickt zu verpacken.

Man wird jetzt förmlich mit Post verwöhnt. Gestern haben wir schon wieder Post bekommen. Es war der Brief Nr. 14 v. 2.7.42 und Nr. 15 v. 3.7.42, ein Brief mit einem deutsch-litauischen Sprachführer und 1 Päckchen lt. beiliegendem Zettel. Diese beiden alten Briefe standen sowieso noch aus, wie Du aus meinem Brief Nr. 1 ersiehst.

Den deutsch-litauischen Sprachführer kann ich hier leider nicht gebrauchen und schicke ihn deshalb zurück. Du brauchst dieserhalb Dich nicht mehr zu bemühen, ich habe einen bei einem Verlag bestellt.

Das Puddingpulver werde ich mal aufheben, bis wir mal wieder in einer Gegend sind, wo es mehr Milch gibt. Hier ist nämlich nur Steppe. Aber vielleicht kannst Du mir mal so Pulver schicken, wo man mit Wasser so eine Art Pudding machen kann. Ich weiß nur nicht, wie man das Zeug nennt.

Du glaubst garnicht, wie man sich etwas Süßes wünscht. Mit Fleisch und Fett wird man nur so überfüttert. Man würde so gerne mal ein Marmeladenbrot essen. Aber schicke mir nur keine Marmelade, da sie zu schwer ist und beim Transport kaputt gehen würde.

Nimm beim Packen der Päckchen nicht mehr Tapetenpapier, die Päckchen kommen in einem trostlosen Zustand hier an.

Die braune Aktentasche mit den 15 Schnellheftern und 10 Aktendeckeln und 2 Kladden habe ich erhalten. Frage Dr. Schmidt, was diese Sachen gekostet haben. Ebenso die Landkarte von Rußland, die ich mir bei ihm bestellt hatte. Gib ihm dann sofort das Geld.

Hier schicke ich Dir auch wieder 2 Luftfeldpostmarken. Päckchenzulassungsmarke für den Monat September werden wir wohl in den nächsten Tagen bekommen.

Wo ich sehnlichst drauf warte, ist Sacharin. Hoffentlich hast du etwas bekommen, die Zeiten haben sich geändert, voriges Jahr konnte man in Freiburg noch genügend von dem Zeug haben.

Es ist schade, daß ich Euch nicht mal mit Melonen, die es hier in Unmengen gibt, erfreuen kann. Die vollreifen schmecken wie Bananen und würden Heidi bestimmt schmecken

Der Aktentasche lag auch der Kocher bei. Den werde ich nicht gebrauchen können, da er nicht zu einem Benzinkocher (andere Düse) umgearbeitet ist. Ich habe bei einer Dresdner Firma einen bestellt. Er wird Dir zugesandt werden, schicke ihn mir dann in einem großen Päckchen zu.

Und nun viele liebe Grüße und Küsse an Euch 3

Euer Vati


Anm.: Ab dem 4.09.1942 (nachfolgend auf seinen 41. Brief) begann er die Nummerierung der Briefe wieder von vorne, weshalb dieser im Original die Nr. 2 trägt. Seitdem haben wir eine eigene fortlaufende Nummerierung eingeführt.

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