51. Brief – 26. September 1942

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Rußland, den 26.9.42

Mein liebes Frauchen!

Du wirst es selbst gemerkt haben, daß dem Brief Nr. 8 vom 25.9.42 eine Päckchenmarke und zwei Luftfeldpostmarken beilagen. Diese bekam ich gerade, als ich den Brief zukleben wollte. Das ist schon die 2. Päckchenmarke, die wir für den Monat September bekommen. Hebe die Marken nur gut auf, damit keine verloren geht. Die sind heute mehr wert als bares Geld.

Von Ludsche bekam ich heute eine Karte aus Garmisch-Partenkirchen. Der Bengel hat Schwein gehabt. Vielleicht bekommt er anschließend noch Urlaub nach Hamburg. Von dort kann er wenigstens mal telefonieren. Wenn ich Dich doch auch mal anrufen könnte. Ludsche teilt mir seine Anschrift mit, aber es hat keinen Zweck, daß ich ihm dorthin schreibe. Zwischenzeitlich sind die 4 Wochen schon rum. Ich werde Dir die Post von Ludsche immer zuleiten, dann kannst Du sie an seine jüngste Anschrift weiterleiten. Du brauchst dann immer nur die Anschrift z. Zt. Hamburg 30, Gneisenaustr. xx. Breuer zu überkleben und seine neue Anschrift drauf zu schreiben. Du bist ja nicht neugierig und brauchst die Briefe nicht zu öffnen.

Wenn Du mir einen Tabakbeutel aus Leder machen willst, so lasse Dir vorher mal einen solchen Beutel bei einem zeigen. Vielleicht kann Herr Schade mal eine vernünftige Zigarettendose von der Wiener Feuerzeug-Zentrale mitbringen. Wir bekommen die Zigaretten immer lose und da zerdrückt man sie leicht.

Jetzt wirst Du sicher auch nicht mehr so viel Zigaretten schicken können, da der Bestand an Türmac sicher inzwischen aufgebraucht ist. Dann schicke mir ruhig die Russen. Hier, wo man den ganzen Tag herumfaulenzt, ist das Verlangen zu rauchen naturgemäß größer.

Heute habe ich Fernsprechwache. Ich sitze mit einem Kameraden in einem sicheren Bunker und wir vermitteln abwechselnd Gespräche. Da hat man viel Zeit zum Schreiben und Lesen. Trotzdem ich Dir gestern einen langen Brief geschrieben habe, soll heute wieder ein Brief an Dich starten. Die Feldpost ist noch das einzigste, worüber man seine Gedanken mit seinen Lieben austauschen kann.

Wie fühlst Du Dich denn jetzt wieder in Deiner Schlankheit? Jetzt bist Du doch sicher wieder das muntere Rehlein von früher. Es ist nur schade, daß man die schönsten Jugendjahre getrennt verleben muß. Wie schön wäre es, wenn wir jetzt unser Familienleben mit unseren Kindern leben könnten. Dieser Krieg raubt uns so vieles. Nur gut, daß unseren Kindern dies vorerst erspart bleibt. Und hoffentlich bleibt es ihnen erspart. In 20 Jahren wird die Welt wohl von Kriegen verschont bleiben.

Und nun grüße Dein „Sorgenkind“ Heidi und meinen Stammhalter recht herzlich von mir.

Dir als die Beschützerin der beiden die allerherzlichsten Grüße und 1000 Küsse

Euer Vati.


Anm.: Ab dem 4.09.1942 (nachfolgend auf seinen 41. Brief) begann er die Nummerierung der Briefe wieder von vorne, weshalb dieser im Original die Nr. 9 trägt. Seitdem haben wir eine eigene fortlaufende Nummerierung eingeführt.

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