52. Brief – 28. September 1942

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Rußland, den 28.9.42

Meine liebe Hamburger Köksch!

Gestern erhielt ich die 3 beiliegenden Briefe von Dir, 1 von Anni und 4 Päckchen (1. Spiegel, 2. Spiegel, 3. Bindfaden und Bonbon, 4. Kaltschalenpulver und Bonbon). Außerdem lagen dem Brief Nr. 40 Briefumschläge bei. Für alles meinen herzlichsten Dank.

Da fällt mir ein, auch ein Waschlappen war in einem Päckchen. Davon brauchst du mir jetzt keine mehr zu schicken, jetzt habe ich schon 3 Stück.

Die Spiegel sind ganz fabelhaft, die werden mir bestimmt nicht mehr zerbrechen. Spreche Dr. Schmidt dafür meinen herzlichsten Dank aus.

Briefumschläge kannst Du mir laufend schicken. Dies reicht garnicht für einen Monat. Ich möchte nämlich nicht gerne Postkarten schreiben.

Die Bonbons haben sich keine halbe Stunde bei mir gehalten. Nach so etwas lechzt die Zunge.

Annis Brief beantworte ich garnicht. Es ist mir viel wichtiger, wenn ich Dich laufend mit Post versorge. Sage ihr, daß ich mich über ihren Brief sehr gefreut habe und ihr „gelegentlich“ antworten werde.

Ich war ja etwas enttäuscht, daß Du noch nicht die RM 500,- auf Kais Sparkonto eingezahlt hast. Hole dies bitte sofort nach. Das Sparbuch hast Du doch einrichten lassen. Schreibe für die RM 500,- einen roten Scheck aus zu Gunsten Konto Hamburger Sparcasse von 1827 in Hamburg Goebenstr. Die Kontonummer ist 2/57. Als Verwendungszweck schreibst Du: Zur Gutschrift a/ Sparkonto Nr (steht im Sparbuch) von Kai Breuer, Hamburg 20, Gneisenaustr. x. Nach 4 Tagen gehst du zur Goebenstr. und läßt Dir die Gutschrift sofort ins Sparbuch eintragen. Gleichzeitig zahlst du dann RM 30,- für Aug., Sept. und Okt. ein. Und jeden Monat am Ersten zahlst Du für Heidi und Kai je RM 10,- ein. Hoffentlich bist Du für Heidi keine Einzahlungen rückständig, sonst hole dies auch sofort nach. Den roten Scheck schreibst Du so aus wie die Mietüberweisung mit gelber Einlage. Statt Dresdner Bank schreibst Du Hamburger Sparcasse mit dem entsprechenden Verwendungszweck.

Wie ist das eigentlich mit den Abschriften der Parodie auf das Marlenlied? Die habe ich noch nicht erhalten.

In einem Deiner letzten Briefe hast Du mir Sacharin von Dr. Schmidt angekündigt, der leider noch nicht eingetroffen ist. Du mußt mal laufend bei Dr. Schmidt bohren, damit er Dir Sacharin besorgt. Kaffee, Tee und Speisen sind hier überhaupt nicht gesüßt, darum bin ich sehr verlegen.

Also nochmals, mein liebes Frauchen, erledige das sofort mit den Sparbüchern. Das liegt mir sehr am Herzen. Teile mir zu Beginn eines Monats immer mit, daß Du die Sparbeträge eingezahlt hast.

Grüße unsere Kinder recht herzlich von mir. Dir ebenfalls recht herzliche Grüße und Küsse

Euer Vati

Grüße auch an Deine Eltern.


Anm.: Ab dem 4.09.1942 (nachfolgend auf seinen 41. Brief) begann er die Nummerierung der Briefe wieder von vorne, weshalb dieser im Original die Nr. 10 trägt. Seitdem haben wir eine eigene fortlaufende Nummerierung eingeführt.

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