64. Brief – 24. Oktober 1942

Brief64_Starless-in-Stalingrad-Dokumentarisches-Labor

–64. Brief –

Rußland, den 24.10.42

Mein liebes Frauchen!

Schon mehrere Tage ist die Post ausgeblieben, die ich sehnsüchtig erwarte, damit ich Stoff zum Schreiben habe. Damit Du nun nicht beunruhigt bist, will ich Dir schnell einen Brief schreiben. Viel weiß ich ja nicht, aber ich werde doch 2 Seiten zusammen kriegen.

Seit 2 Tagen sind wir wieder in unserer neuen Feuerstellung und pelzen lustig in die noch nicht eingenommenen Vororte Stalingrads hinein, um den Vormarsch unserer Infanterie zu sichern. Stukas und Artillerie schicken ebenfalls ihre Grüße nach Stalingrad. So sehr ich ein Gegner vom ganzen Krieg bin, so ist es doch interessant, einen solchen Angriff von der Ferne zu überblicken.

Hier ist es inzwischen merklich kühler geworden. Morgens ist immer eine dünne Eisschicht auf dem Wasser. Aber zu frieren brauchen wir nicht, da wir 4 Decken, einen Mantel, einen Übermantel zum Zudecken haben. Außerdem haben wir jeder ein paar Wollhandschuhe und 1 Kopfschützer bekommen. Wenn Du mir jetzt noch meine Ohrenschützer schicken würdest, wäre ich für den Winter gerüstet.

Für heute nichts Neues aus dem Sowjetparadies.

Dir, Heidi und Kai die allerherzlichsten Grüße und viele 1000 Knaller,

Euer Vati!

Bei uns sind auch einige Erkrankungen an Gelbsucht vorgekommen.


Anm.: Ab dem 4.09.1942 (nachfolgend auf seinen 41. Brief) begann er die Nummerierung der Briefe wieder von vorne, weshalb dieser im Original die Nr. 22 trägt. Seitdem haben wir eine eigene fortlaufende Nummerierung eingeführt.

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