Brief an die Familie seines Cousins – 17. Dezember 1942

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Rußland, den 17.12.42

Meine Lieben!

Da ich solange nichts von Euch gehört habe, will ich mal wieder etwas von mir hören lassen. Von Anneliese werdet Ihr sicher gehört haben, daß wir seit dem 22. 11. 42 zwischen Don und Wolga eingeschlossen sind. Aber das ist nicht so tragisch, in kurzer Zeit werden wir schon wieder herausgepelzt werden. An die eingeschlossenen Truppen hat der Führer einen Tagesbefehl herausgegeben, der mit den Worten schließt: ‚Haltet aus, der Führer haut Euch raus‘. Schuld an der ganzen Kesselbildung haben die Rumänen, die sich von den Russen haben überrennen lassen.

Eine Reihe unangenehmer Begleiterscheinungen sind mit einer solchen Einkesselung verbunden. Post haben wir schon über vier Wochen keine mehr erhalten. Wir haben zwar die Möglichkeit, Post zu verschicken, die mit JUs zur Heimat befördert werden.

Dann ist die Verpflegung natürlich auch kärglicher geworden. Während wir sonst alle zwei Tage ein Brot erhielten, erhalten wir zurzeit alle vier Tage ein Brot. Bei anderen Batterien gibt es teilweise sogar nur ein Brot alle acht Tage. Wir haben noch eine kleine Reserve.

Inzwischen bin ich wieder Rechnungsführer geworden, nachdem ich zwei Monate als Fernsprecher tätig war. Mein Vorgänger ist an Ostfieber erkrankt und ins Lazarett gekommen.

Morgen in einer Woche haben wir Weihnachten. Es ist das zweite Weihnachten, das ich nicht zu Hause verleben kann. Die Weihnachtspäckchen, die Anneliese mit so viel Liebe fertig gemacht hat, werden mich nicht erreichen. Das bringt alles der Krieg mit sich.

Mit Urlaub sieht es auch sehr mies aus, da ich zurzeit als Rechnungsführer keinen Vertreter habe.

Und nun wünsche ich Euch allen eine recht frohes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr „gehabt zu haben“.

Mit den herzlichsten Grüßen

Euer Max.


Anm.: Dies ist erst der zweite Brief aus dem Nachlass meines Großvaters, der nicht an seine Frau und Kinder gerichtet ist. Daher trägt dieser Brief – wie jener an seinen Schwager „Ludsche“ vom 25. November 1942 – keine Nummer.

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