82. Brief – 19. Dezember 1942

Brief82-2-20171219_Starless-in-Stalingrad-Dokumentarisches-Labor

– 82. Brief –

Rußland, den 19. 12. 42

Mein liebes Frauchen!

Immer näher rückt Weihnachten heran. Noch fünf Tage und es ist Heiligabend. Es wird für euren Vati sowie alle Soldaten, die im Kessel sind, ein trostloser Weihnachten werden. Auf einen Weihnachtsbaum werden wir auch verzichten müssen, da in dieser weiten Steppenwüste kein Baum und Strauch wächst.

Heute habe ich von unserem Zahlmeister erfahren, daß wir alle jeder 200 Zigaretten bekommen sollen. Das ist wenigstens ein Tropfen auf einen heißen Stein. Außerdem fährt morgen unser Zahlmeister zum Verpflegungsamt, um eine gute Verpflegung für die Weihnachtstage für uns herauszuschlagen.

Voriges Jahr hat unsere Batterie an nichts zu Weihnachten Mangel gehabt. Schnaps war in Hülle und Fülle da. Das wäre auch dieses Jahr der Fall gewesen, wenn der Russe uns nicht eingekesselt hätte.

Das Schlimmste sind ja die Päckchen, die Du mit so viel Liebe fertig gemacht hast und die mich zu Weihnachten nicht erreichen werden. Ich hätte so gerne ein paar Makronen, ein Stück Kuchen oder ein schönes Schmalzbrot gegessen.

Hoffentlich verlebst Du mit unseren Kindern einen schönen Weihnachten, das ist auch eine Freude für mich. Schreibe mir mal, wie Weihnachten verlaufen ist und ob der Schlitten angekommen ist. Ich bin ja leider nicht in der Lage, einem von Euch irgend eine Kleinigkeit zu schenken. Das schönste Weihnachtsgeschenk für Euch soll sein, daß Euer Vati recht bald auf Urlaub kommt.

In einem Schlußsatz eines Tagesbefehls an die eingeschlossenen Truppen hat der Führer gesagt: haltet aus, der Führer haut Euch raus. Hoffentlich bewahrheitet sich dieses Wort recht bald, damit ich wieder Post von Dir bekomme und eventuell bald auf Urlaub fahren kann.

In diesem Sinne grüße und küsse ich Euch 1000mal

Euer Vati.

Ebenso herzliche Grüße an Deine Eltern.


Sie folgen den Spuren meines Großvaters Tag für Tag – und leiden und bangen mit ihm? Vielen Dank für Ihre Anteilnahme! Wir hoffen, Sie ziehen daraus einen wertvollen Erkenntnisgewinn – ohne Bitterkeit!

Wenn Sie sich – wie wir – dafür interessieren, wie es denn an den Orten seiner Reise heute aussieht, und welche Spuren die Geschichte dort hinterlassen hat, dann folgen Sie uns doch nach dieser „Echtzeitreise“ dorthin – und unterstützen Sie bitte gerne unsere Crowdfunding-Initiative für die Video- und Fotodokumentation „Starless in Stalingrad – Auf Entdeckungreise…“

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