90. Brief – 5. Januar 1943

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– LETZTER BRIEF –

Rußland, den 5.1.43

Mein liebes Frauchen!

Ich wollte zwar erst morgen schreiben, aber eine erschütternde Nachricht zwingt mich dazu, es heute schon zu tun. Heute Nacht ist Heinrich Hinselmann gestorben.

Er wurde gestern Nachmittag erkrankt aus der Feuerstellung gebracht. Ich habe ihn sofort aufgesucht, aber er war so krank und schwächlich, daß man sich nicht mehr mit ihm unterhalten konnte. Ich nahm an, daß er stark erkältet und heiser war.

Heute Morgen verständigte mich der Spieß, daß er an Angina mit anschließender Sepsis gestorben sei. Das ist mir doch sehr nahe gegangen. Morgen, Mittwoch, wird er beerdigt. Ich werde zum Begräbnis gehen und einige Aufnahmen machen, den Film werde ich Dir schicken. Du kannst ihn dann Dr. Hinselmann geben.

Verständige Du aber bitte seine Angehörigen nicht. Das muß durch die Ortsgruppe geschehen. Wenn Hinselmanns die Nachricht erhalten, werden sie Dich schon anrufen.

Hier ist es inzwischen sehr kalt geworden. Ich kann vor Kälte kaum schreiben. Unsere Bude ist ziemlich kalt, da wir kein Holz mehr haben. Aber ich will nicht klagen, andere haben mehr auszustehen. Und bald ist der Winter ja rum.

Post haben wir noch keine erhalten. Mir geht es zeitgemäß noch gut. Wenn wir mehr Brot bekämen, würde ich mich sauwohl fühlen.

Wie geht es unseren Sprößlingen?

Wenn Du noch Päckchenmarken hast, so schicke Päckchen mit leckeren Sachen. Sie werden mich, wenn auch verspätet, schon erreichen.

In Eile herzliche Grüße und 1000 Küße

Euer Vati

 


 

Das war also der letzte Brief meines Opas. Unsere Echtzeitreise ist damit beendet!

Erinnern Sie sich noch daran, wie alles vor genau 7 Monaten, am 5. Juni 1942, mit dem ersten Brief aus Babruisk anfing, wie er sich über einen Monat lang orientierungslos, mit vielen Pannen und erschütternden Erlebnissen durch die russische Steppe geschlagen hat – ohne zu wissen, was das Ziel ist, und dass er sich auf direktem Wege hinein ins Herz der Finsternis bewegte?

Wenn Ihnen unsere Echtzeitreise mit den Augenzeugenberichten meines Opas von einer der größten und – bis heute für alle Seiten – traumatischsten Schlachten der Menschheitsgeschichte etwas gegeben hat, dann würden wir uns sehr freuen, wenn Sie die geplante FORTSETZUNG DES PROJEKTS ALS VIDEO- UND FOTODOKUMENTATION unterstützen wollen.

Hier finden Sie alle Informationen zu unserer Crowdfunding-Initiative. Dort auf der Seite können Sie auch DIREKT SPENDEN – allerdings nicht mit Paypal…

Wenn Sie MIT PAYPAL SPENDEN möchten, können Sie Ihre Spende auch direkt und gebührenfrei von Ihrem eigenen Paypal-Konto an unseres senden:

So geht’s: bei Paypal einloggen > „Tools“ > „Geld senden“ > „Geld an Freunde und Familie senden“ > an: office@dokulab.org

Wenn Sie das Projekt mit einer ÜBERWEISUNG AUF UNSER VEREINSKONTO unterstützen wollen, können Sie das – im EUR-Raum gebührenfrei – über folgende IBAN tun:

AT06 2011 1000 0324 4415 – Kontoinhaber: Dokumentarisches Labor

Herzlichen Dank!

2 Gedanken zu “90. Brief – 5. Januar 1943

  1. Ich bin traurig! Danke, dass Sie uns die Briefe haben mitlesen lassen. Ist bekannt, was ihm widerfahren ist (Gefangenschaft, Vermisst, gefallen)?

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